Wandtyp im Fokus
Stahlbeton ist für Kragarmtreppen das ideale Wandmaterial. Hohe Druckfestigkeit, homogene Struktur, durchgehende Tragwirkung – die Lastübertragung von der Stufenkonstruktion in die Wand funktioniert hier mit Standard-Verbundankern, ohne Sondermaßnahmen. Wenn dein Haus eine tragende Stahlbetonwand hat, hast du im Treppenthema die einfachste Ausgangslage überhaupt.
Stahlbeton ist ein Verbundwerkstoff aus Beton und Bewehrungsstahl. Die Druckkräfte nimmt der Beton auf, die Zugkräfte der eingelegte Bewehrungsstahl. Für eine Kragarmtreppe heißt das: Die Wand kann punktuelle Lasten in alle Richtungen aufnehmen, weil die Bewehrung jede Spannungsspitze über mehrere Stäbe verteilt. Klassische Spannungsspitzen, die bei Mauerwerk oder Porenbeton problematisch werden, gehen im Stahlbeton in der Regel ohne Sondermaßnahmen aus.
Üblich im Wohnungsbau sind Beton-Festigkeitsklassen von C20/25 bis C30/37 – die Zahlen geben die charakteristische Druckfestigkeit in Newton pro Quadratmillimeter an, bezogen auf Zylinder- und Würfelproben. Für eine Kragarmtreppe ist alles ab C20/25 ausreichend. C25/30 oder höher ist heute Standard im Neubau, womit wir bereits auf der sicheren Seite arbeiten.
Bei einer Wandstärke ab 15 cm und Standard-Wohnungsbau-Bewehrung können wir eine Kragarmtreppe in nahezu jeder Geometrie ohne Wandverstärkung umsetzen. Bei 20 cm und mehr Wandstärke sind auch große Stufenformate, breite Geländer-Lasten und Bevölkerungslasten an Galerien problemlos.
Was wir prüfen: die tatsächliche Bewehrungslage. Anhand des Statik-Plans oder, falls nicht verfügbar, mit einem mobilen Bewehrungsscanner. Die Bohrlöcher für unsere Verbundanker setzen wir bewusst so, dass sie zwischen den Bewehrungsstäben verlaufen. Trifft der Bohrer doch einen Bewehrungsstab, verschieben wir das Loch um 2 bis 3 cm – das ist statisch im Stahlbeton unkritisch, weil die Lastverteilung das mitmacht.
Im Stahlbeton arbeiten wir wahlweise mit zwei Systemen, beide mit europäischer technischer Bewertung (ETA):
Verbundanker mit Injektionsmörtel: Hilti HIT-RE 500 V4 oder fischer FIS SB. Hohe Auszugskräfte, sauber rechenbar, langzeitstabil. Das ist unser Standardsystem.
Hochbelastbare Spreizanker: fischer FAZ II oder Hilti HST3. Schneller in der Montage, etwas geringere Auszugskräfte, aber im Stahlbeton problemlos einsetzbar. Wir nutzen sie bei einfacheren Treppenformen.
Welches System der Statiker am Ende vorschreibt, entscheidet sich nach Lastmodell, Bohrlochabstand und Wandstärke. Beide Systeme sind für die einleitenden Lasten einer Kragarmtreppe weit überdimensioniert – auch das spricht für Stahlbeton: man kommt entspannt zur sicheren Lösung.
Wir bohren mit Hammerbohrer und Hartmetallbohrkopf. Bei sehr hochbewehrten Bereichen, etwa Übergangszonen zu Geschossdecken, kann eine Diamantbohrkrone notwendig sein, weil sie sauber durch den Bewehrungsstahl schneidet. Diese Sondertechnik haben wir im Wagen, kommt aber bei Standard-Wandstücken selten zum Einsatz.
Bohrlochkante zur Wandkante mindestens 5 cm, Bohrlochabstand untereinander mindestens 10 cm – das gibt uns die nötige Lastverteilung im umgebenden Beton.
Vor jeder Kragarmtreppe in Stahlbeton klären wir folgende Punkte: Festigkeitsklasse des Betons laut Statik-Plan, Wandstärke gemessen, Bewehrungslage (Plan oder Scanner), Lage von eventuellen Aussparungen für Installation oder Rohre, Geschossholz und Anschluss an die Decke. Mit diesen Angaben rechnet unser Statiker und schickt die Bemessung an die Werkstatt.
Beispielprojekte
Diese Treppen wurden in Stahlbeton-Wänden montiert – jede statisch geprüft, jede dokumentiert.
Häufige Fragen
Wir liefern die Bemessung für die Treppe selbst. Die Lasteinleitung in die Stahlbetonwand stimmen wir mit dem Statiker des Bauherrn ab – wenn keiner vorhanden ist, vermitteln wir einen.
Bei nicht-tragenden Innenwänden in 12 cm Stärke ist es kritisch. Wir würden hier mit Verbundanker plus rückseitiger Lastverteilungsplatte arbeiten oder vor dem Einbau eine örtliche Wandverstärkung empfehlen. Bei tragenden Außenwänden ab 17,5 cm ist die Standardlösung problemlos.
Solange der Estrich noch nicht eingebracht ist, ja. Wir markieren die Bohrlöcher direkt nach Setzen der Stiele und stimmen die Höhenlage mit dem Bauleiter ab. Nach dem Estrich wird jede Änderung aufwendig, weil die Treppen-Antritts- und -Austrittsholz nicht mehr frei wählbar sind.
Schicken Sie uns die Wandstärke und Festigkeitsklasse Ihrer Stahlbetonwand. Wir prüfen kostenlos, welche Kragarmtreppe möglich ist – mit Bemessungshinweis und Richtpreis.
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