Wandtyp im Fokus
Porenbeton-Wände wirken auf den ersten Blick zu weich für eine freitragende Treppe. Das stimmt nicht, wenn man die Statik richtig auslegt und die zugelassenen Verankerungssysteme verwendet.
Kurzantworten
Geht eine Kragarmtreppe im Porenbeton?
Ja, wenn die Druckfestigkeitsklasse und Wandstärke stimmen. PP4 oder PP6 ab 24 cm Dicke sind mit Injektionsmörtel und Siebhülse problemlos umsetzbar. PP2 braucht Sondermaßnahmen.
Warum kein Spreizdübel in Porenbeton?
Spreizdübel würden den porösen Stein lokal aufspalten. Sie liefern keine zuverlässigen Auszugswerte. Wir verwenden ausschließlich Injektionsmörtel-Systeme mit bauaufsichtlicher Zulassung für Porenbeton.
Was ist die Lösung bei dünner Wand?
Bei 17,5 cm oder niedriger Festigkeitsklasse arbeiten wir mit Verbundankern und lastverteilenden Stahlplatten auf der Wandrückseite, oder empfehlen eine lokale Verstärkung mit Stahlbeton im Treppenbereich.
Vor jeder Kragarmtreppe in Porenbeton klären wir: Druckfestigkeitsklasse, Wandstärke, Verputzung, eventuelle Verstärkungen und die geplante Treppenform. Erst dann gibt unser Statiker frei.
Was prüfen wir vorab?
Porenbeton ist ein dampfgehärteter Mauerstein mit gleichmäßig verteilten Luftporen. Daraus ergibt sich seine niedrige Rohdichte zwischen 0,35 und 0,80 kg pro Kubikdezimeter und eine geringe Druckfestigkeit, die je nach Klasse zwischen 2 und 8 Newton pro Quadratmillimeter liegt. Die Druckfestigkeitsklassen tragen Bezeichnungen wie PP2, PP4, PP6 oder PP8 – die Zahl gibt grob die zulässige Druckspannung an.
Für eine Kragarmtreppe heißt das: Jeder einzelne Tragbolzen leitet eine punktuelle Last in eine Wand ein, die diese Last nicht beliebig aufnimmt. Wir rechnen jeden Bolzen einzeln, jede Lastannahme aus den Lastfällen Eigengewicht der Treppe, Nutzlast einer Person sowie horizontale Geländerlast nach DIN EN 1991. Erst wenn die Bemessung in der schwächsten Wandklasse aufgeht, gehen wir an die Werkstatt.
Üblich sind im Wohnungsbau Porenbeton-Wände in 17,5 cm, 20 cm, 24 cm oder 30 cm Stärke. Für eine Kragarmtreppe in PP2 oder PP4 sind 24 cm Wandstärke die untere Grenze, die wir freigeben. Bei 17,5 cm und niedriger Festigkeitsklasse arbeiten wir mit Verbundankern in Kombination mit lastverteilenden Stahlplatten auf der Wandrückseite, oder wir empfehlen eine Wandverstärkung in Form einer Stahlbeton-Schicht im Bereich der Treppenführung. Das wird im Einzelfall mit dem Statiker des Bauherrn abgestimmt.
Standardmäßig setzen wir auf Verbundsysteme mit Injektionsmörtel und Spezial-Innengewindehülsen, die für Porenbeton bauaufsichtlich zugelassen sind. Konkret arbeiten wir mit Systemen wie fischer FIS V Plus mit Siebhülsen oder Hilti HIT-HY 270 mit den passenden Verbundankern. Die Auswahl trifft der Statiker nach Berechnung der Auszugskräfte aus dem statischen Modell. Spreizdübel verwenden wir in Porenbeton bewusst nicht: Sie würden den Stein lokal aufspalten und liefern keine zuverlässigen Auszugswerte.
Bei besonders dünnen Wänden oder bei sehr hohen Lasten aus großzügigen Stufenformaten setzen wir Durchsteckanker mit Stahl-Lastverteilungsplatte auf der Wandrückseite ein. Die Platte überträgt den Lastpunkt auf eine größere Fläche und entlastet den Porenbeton lokal. Diese Lösung ist sichtbar, aber technisch sauber – auf der Rückseite oft in einem Abstellraum oder hinter einer abgehängten Wandverkleidung verborgen.
Bevor wir eine Kragarmtreppe für eine Porenbeton-Wand bemessen, fragen wir folgende Punkte ab: Druckfestigkeitsklasse des verbauten Materials laut Lieferschein oder Statik-Plan des Hauses, tatsächliche Wandstärke gemessen, Verputzung innen und außen (geputzte Oberfläche hat keine Tragwirkung), eventuell vorhandene Wandstege oder Verstärkungen, Höhe der Wand und Lage der Geschossdecke, sowie die geplante Treppenform und Stufenabmessungen. Mit diesen Angaben rechnet unser Statiker und gibt frei – oder schlägt eine Anpassung vor.
Beispielprojekte
Diese Treppen wurden in Porenbeton-Wänden montiert – jede statisch geprüft, jede dokumentiert.
Häufige Fragen
Nur in Kombination mit lastverteilenden Stahlplatten oder einer Wandverstärkung. Standardmäßig nicht. Wir prüfen das im Einzelfall und sagen ehrlich, wenn es nicht geht.
Die Bolzenlöcher bleiben als Aussparungen erhalten, lassen sich aber bei Bedarf mit Reparaturmörtel oder einem Wandersatz fachgerecht schließen. Eine Kragarmtreppe ist nicht reversibel ohne Spuren, aber auch keine bauliche Veränderung, die ein Haus dauerhaft prägt.
Wir liefern die Tragwerksberechnung für die Treppe selbst. Die Einleitung der Lasten in die Wand stimmen wir mit dem Statiker des Bauherrn ab, falls vorhanden. Wenn keiner vorhanden ist, vermitteln wir einen Statiker aus unserem Netzwerk.
Schicken Sie uns die Druckfestigkeitsklasse und Wandstärke Ihrer Porenbeton-Wand. Wir prüfen kostenlos, welche Kragarmtreppe möglich ist – mit Bemessungshinweis und Richtpreis.
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