Wandtyp im Fokus
Eine Kragarmtreppe braucht eine tragende Wand, die punktuelle Schwerlasten aufnimmt. Fertighäuser und Holzständerbauten haben das nicht automatisch – die Wände bestehen aus Holzstielen mit Beplankung, jeder Stiel ein eigenes statisches Element. Wer hier nicht vorausschauend plant, hat im Eigenheim später keine Kragarmtreppe. Wir bauen sie trotzdem – mit integrierter Stahlrahmen-Konstruktion und sauberer Lastverteilung. Aber: das muss vor dem Hausbau abgestimmt werden.
Die meisten deutschen Fertighäuser werden in Holzständerbauweise gefertigt. Die tragenden Wände bestehen aus senkrecht stehenden Stielen aus Konstruktionsvollholz (KVH) oder Brettschichtholz, Querschnitte typisch 6×12 cm oder 6×16 cm, Abstand 60 bis 80 cm. Dazwischen ist Dämmstoff. Außen und innen ist die Wand mit OSB-Platten, Gipsfaserplatten oder Holzwerkstoffplatten beplankt.
Das Tragwerk dieser Wand ist die Summe aus Stielen, Beplankung und Schwellenholz. Auf flächig verteilte Lasten (Eigengewicht, Dach, Schnee) reagiert die Wand problemlos. Auf punktuelle Schwerlast wie die Lasteinleitung einer Kragarmtreppe reagiert sie nicht – die Last würde sich auf die nächste Beplankungsschicht aufteilen, die das gar nicht aufnehmen kann.
Wir setzen in den Bereich, in dem die Kragarmtreppe verankert werden soll, eine separat gefertigte Stahlrahmen-Konstruktion ein. Das ist eine geschweißte Rahmenkonstruktion aus Stahlprofilen, üblicherweise HEA 100 oder HEA 140 senkrecht, mit Querverbindungen oben und unten, die kraftschlüssig an die Geschossdecke und an die Schwelle des Hauses angeschlossen wird.
Die Stiele der Treppen-Bolzen werden dann in dieses Stahlskelett geschweißt oder mit hochfesten Schraubverbindungen befestigt. Damit umgeht die Treppe das Holzständerwerk komplett – sie ruht statisch auf der eigenen Stahlkonstruktion, die wiederum die Last in die Geschossdecke und das Fundament leitet.
Die Stahlrahmen-Konstruktion ist nachträglich nur mit hohem Aufwand einbaubar – die Beplankung muss abgenommen, der Dämmstoff entfernt, die Konstruktion eingepaspt und alles wieder geschlossen werden. Aufwand: ein bis zwei Wochen Baustelle und Kosten im fünfstelligen Bereich.
Wenn vor dem Hausbau klar ist, dass eine Kragarmtreppe später eingebaut werden soll, planen wir den Stahlrahmen mit dem Fertighausanbieter ab, lassen ihn ggf. werkseitig integrieren oder bauen ihn parallel zum Rohbau ein. Das ist deutlich günstiger und sauberer.
Wenn ein Stahlrahmen aus Platzgründen oder Kostengründen nicht in Frage kommt, gibt es zwei abgewandelte Lösungen:
Lokale Verstärkung mit Brettschichtholz-Pfosten: Wir setzen einen massiven Brettschichtholz-Pfosten (typisch 16×16 cm oder größer) als Lasteinleitungspunkt ins Wandgefach. Dieser Pfosten geht durchgehend von Schwelle bis Decke und wird kraftschlüssig angeschlossen. Die Treppen-Bolzen werden direkt in diesen Pfosten geschraubt. Statisch funktioniert das, ist aber begrenzt auf moderate Treppen-Lasten.
Vorgesetzte Stahlbeton-Wandscheibe: Wir gießen eine 12 bis 15 cm starke Stahlbeton-Wandscheibe vor das Holzständerwerk, die kraftschlüssig an die Geschossdecke angeschlossen wird. Aufwendig, aber bei nachträglichen Einbauten manchmal die einzige Option.
Bei Anfrage für eine Kragarmtreppe im Fertighaus klären wir früh: Bauphase des Hauses (Rohbau, Trockenbau abgeschlossen, fertig bezogen), tragende Holzkonstruktion (Stielabstand, Stiel-Querschnitt, Beplankung), Geschossdecke (Holzbalken-Decke oder Stahlbeton-Verbunddecke), Anschluss an die Bodenplatte, geplante Treppen-Geometrie und Lasten, und ob der Hausanbieter bereits eine Aussparung für die Treppe vorgesehen hat. Mit diesen Daten entscheiden wir, ob Stahlrahmen, Holzpfosten oder Beton-Wandscheibe die richtige Lösung ist.
Beispielprojekte
Diese Treppen wurden in Fertighaus-Wänden montiert – jede statisch geprüft, jede dokumentiert.
Häufige Fragen
Nein. Die meisten Treppenbauer lehnen Kragarmtreppen im Fertighaus ab, weil die Spezialkonstruktion mit Stahlrahmen außerhalb ihres üblichen Werkstatt-Programms liegt. Wir bauen den Stahlrahmen selbst, was uns von vielen Anbietern unterscheidet.
Technisch ja, finanziell kritisch. Die nachträgliche Stahlrahmen-Einarbeitung ist ein erheblicher Eingriff. Wenn die Möglichkeit besteht, sollte die Treppe vor dem Innenausbau geplant sein – idealerweise schon bei der Hausplanung.
Der Stahlrahmen, die Anschlüsse an Decke und Bodenplatte sowie die zusätzliche Statik addieren erfahrungsgemäß 3.500 bis 7.500 Euro netto auf den Treppenpreis, abhängig von Treppen-Geometrie und Konstruktionsaufwand. Genaue Zahlen nennen wir nach Wandanalyse im Angebot.
Frühe Abstimmung spart erheblich. Bauphase, Konstruktionsdetails und Treppenvorstellung – alles via E-Mail oder Telefon, unkompliziert und kostenlos.
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